Kajak fahren in Klein Venedig
Berlins schönste Kanutour
#Lieblingsort | Unser Geheimtipp für den Sommer
Es gibt diese Orte, bei denen man nach wenigen Minuten vergisst, dass man eigentlich noch in Berlin ist. Klein Venedig gehört definitiv dazu.
Kaum sitzt du im Kajak und gleitest lautlos über das Wasser, wird die Stadt plötzlich ganz leise. Statt Straßenlärm hörst du Vogelgezwitscher, das sanfte Plätschern des Paddels und ab und zu das Quaken einer Ente. Zwischen kleinen Holzstegen, verwunschenen Gärten und liebevoll gepflegten Wochenendhäusern schlängeln sich schmale Kanäle durch eine der schönsten Wasserlandschaften Berlins.
Für mich ist Klein Venedig einer dieser Orte, an die ich immer wieder zurückkomme. Die Tour ist entspannt, abwechslungsreich und auch für Anfänger bestens geeignet. Da auf den meisten Kanälen keine Motorboote unterwegs sind, kannst du dich ganz in Ruhe mit dem Kajak vertraut machen.
Die Route
Los geht es am Bootsverleih am Stößensee. Nach wenigen Minuten paddelst du unter der Stößenseebrücke hindurch und biegst in den schmalen Kanal ein, der dich direkt nach Klein Venedig führt.
Schon hier beginnt das eigentliche Erlebnis. Rechts und links wechseln sich breite Wasserflächen mit kleinen Seitenarmen ab. Hinter fast jeder Kurve warten liebevoll angelegte Gärten, kleine Holzstege und gemütliche Wochenendhäuser, die aussehen, als wären sie direkt aus einem Bilderbuch gefallen.
Nach kurzer Zeit erreichst du eine größere Wasserfläche mitten im Gebiet. Hier lohnt es sich, das Paddel einfach einmal ruhen zu lassen. Viele legen hier eine kleine Pause ein, treiben auf dem Wasser oder genießen einfach die Ruhe.
Von dort kannst du die Runde in beide Richtungen paddeln. Ich nehme fast immer den rechten Weg. Dieser Abschnitt führt zunächst am Naturschutzgebiet vorbei. Gerade am frühen Morgen oder in den Abendstunden lässt sich hier besonders viel beobachten. Reiher stehen regungslos am Ufer auf der Jagd nach Fischen, Blesshühner ziehen ihre Jungen durchs Wasser und mit etwas Glück entdeckst du sogar ein Nutria, das gemütlich zwischen den Schilfbänken schwimmt und sich von nichts aus der Ruhe bringen lässt.
Anschließend wird der Kanal wieder schmaler. Brombeerhecken wachsen bis ans Wasser, im Herbst hängen Walnüsse über den Weg und die kleinen Häuser mit ihren Gärten wirken fast mediterran. Man paddelt langsam durch ein Labyrinth aus Kanälen und entdeckt ständig neue Perspektiven.
Irgendwann öffnet sich der Wasserweg zu einem etwas breiteren Kanal. Dieser Abschnitt wirkt für ein paar hundert Meter deutlich offener und etwas industrieller als der Rest der Strecke. Genau deshalb solltest du aufmerksam bleiben: Kurz darauf zweigt auf der rechten Seite ein kleiner Kanal ab, den viele beim ersten Mal übersehen. Wer hier hineinfährt, landet wieder mitten im Herzen von Klein Venedig und erreicht erneut die große Wasserfläche.
Wer anschließend noch Lust hat, kann die große Runde anschließen. Dafür geht es zurück auf den breiten Kanal und dort weiter Richtung Havel. Am Ende einen langen Bogen nach links paddeln – vorbei am Hundestrand gegenüber vom Restaurantschiff Alte Liebe, quer durch den Stoßensee, wo es gemütlich zurück zum Ausgangspunkt geht. Insgesamt solltest du dafür etwa zwei bis drei Stunden einplanen.
Natur erleben mitten in Berlin
Was diese Tour für mich so besonders macht, ist die unglaubliche Ruhe. Obwohl man sich noch innerhalb der Stadtgrenzen befindet, fühlt sich die Landschaft erstaunlich ursprünglich an.
Mit etwas Geduld lassen sich hier Graureiher, Haubentaucher, Blesshühner, Enten, Schwäne und verschiedene Singvögel beobachten. Im Schilf verstecken sich häufig junge Wasservögel, während Libellen über das Wasser tanzen. Im Sommer blühen Seerosen, an den Ufern wachsen Schilf und Erlen, später im Jahr laden Brombeersträucher und Walnussbäume zu einer kleinen Erntepause ein.
Gerade weil ein Teil der Strecke am Naturschutzgebiet vorbeiführt, solltest du möglichst leise paddeln und ausreichend Abstand zu den brütenden Vögeln halten. So bleibt dieses kleine Paradies auch in Zukunft erhalten.
Kleine Pause gefällig?
Unterwegs gibt es mehrere kleine Steganlagen und Cafés direkt am Wasser, an denen du mit dem Kajak anlegen kannst. Ob ein kühles Getränk, ein Eis oder ein kleiner Snack – die Tour lässt sich wunderbar mit einer entspannten Pause verbinden.
Praktische Informationen
Startpunkt: Bootsverleih am Stößensee / Pichelswerder
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Bis S-Bahnhof Pichelsberg oder U-Bahnhof Ruhleben, von dort je nach Bootsverleih etwa 10–20 Minuten zu Fuß.
Parken: Rund um den Stößensee und den Pichelswerder gibt es einige öffentliche Parkplätze. An warmen Sommerwochenenden empfiehlt sich eine frühe Anreise.
Kajakverleih: Entlang des Stößensees und am Pichelswerder gibt es mehrere Bootsverleihe, bei denen du Kajaks stundenweise mieten kannst. Eine Reservierung lohnt sich besonders an sonnigen Wochenenden.
Dauer: Kleine Runde ca. 1,5–2 Stunden, große Runde ca. 2,5–3 Stunden.
Schwierigkeit: Sehr leicht – ideal für Anfänger und Familien.
Unser Fazit
Klein Venedig ist einer dieser seltenen Orte, die man eigentlich für sich behalten möchte. Die Mischung aus ruhigen Kanälen, verwinkelten Wasserwegen, beeindruckender Tierwelt und liebevoll gepflegten Gärten macht diese Tour zu einer der schönsten Kajakstrecken in Berlin. Wer die Hauptstadt einmal aus einer völlig anderen Perspektive erleben möchte, sollte sich hier unbedingt ein Paddel schnappen und einfach losfahren.